Speisen in Gwada №1

Wenn man in ein weit entferntes Land reist, dann gibt/gilt es stets viel bislang Unbekanntes zu entdecken. Die landestypische Küche gehört dabei zu den ersten Dingen, mit denen man sich anfreunden sollte – man muss schließlich etwas essen. Aus der Dokumentation auf Youtube, die ich zur Reisevorbereitung gesehen habe, ging schon hervor, dass man auch hier gerne typisch französisch speist. Es sind ja auch viele Franzosen hier, die im Mutterland geboren wurden.

Hauptnahrungsmittel ist hier tatsächlich das Baguette. Statt Rotwein gibt es aber den guten1 „Rhum agricole“2, der aus dem hier großflächig angebauten Zuckerrohr gewonnen wird. Der scheint auch nicht teuer zu sein. Als einst unsere Fahrerin während des ersten Basse-Terre-Ausflug beschloß zum Mittag Rhum zu bestellen, wurde gleich die ganze noch halb gefüllte Flasche auf den Tisch gestellt. Ein Glas, braunen Rohrzucker und Limetten gibt es dazu – für den Rest ist jeder selbst verantwortlich. Preis: 2€.

Da natürlich ziemlich viel aus Frankreich importiert werden muss, ist hier alles wenigstens 20% teurer als im sonst auch schon teuren Frankreich. Dabei profitiert die Insel sogar von Steuererleichterungen.

Als einfacher Student ohne Einkommen muss ich da natürlich haushalten. Auf diesen Fall hat sich das Hostel spezialisiert und bietet Frühstück für 2,50€ und Abendessen für 3,50€ an. Das Frühstück besteht aus 3 verschiedenen Sorten von Kornflakes, Milch und Kaffee. Also nicht sehr karibisch. Beim Abendessen legt unser Herbersvater, ein gelernter Koch, selbst Hand an. Zum teils sehr ausgefallenen Essen gibt es stets ein Salatbouquet; beim Knoblauch wird nicht gespart3 – meine Mutter hätte ihre helle Freude. Wenn ich mit anderen Touristen unterwegs bin, essen wir zu Mittags in einfachen Restaurants. Ich bestelle meistens einen gegrillten Fisch von hier („poisson grillé“) für etwa 10€.

Rezept für »Semoule mélangée«
Rezept für »Semoule mélangée«

Beim Wochenendausflug in die Stadt Basse-Terre wurde ich von der dortigen Familie bewirtet und habe ein paar neue Speisen kennen gelernt. Zum Frühstück gab es einen Brei mit Früchten (Obst-Bananen4, Honig-Melone und Mangos). Die Mangos kann man in Basse-Terre vom Straßenrand wegsammeln. Das machen dort wahrscheinlich nur die Hühner, die hier in Guadeloupe zu Hauf die Insel bevölkern, und eben deutsche Touristen. Die meisten Einwohner haben schließlich mehrere Mango-Bäume verschiedenster Sorten im Garten. Ich habe mir gleich das Rezept geben lassen. Maismehl dafür zu kaufen war keine Schwierigkeit – Tapioca/Manioc aufzutreiben dagegen schon eine echte Herausforderung. Nachdem ich in mehreren Supermärkten keinen Erfolg hatte, habe ich eine Gewürzhändlerin darauf angesprochen und ihr meine missliche Lage erklärt. Wir beide haben uns leider nur schlecht verständigen können. Nachdem ich erst glaubte, dass sie es eigentlich nicht verkauft, nur wenig da hat und eventuell zu nächster Woche etwas besorgen kann, hat sie dann doch ein kleines Tütchen rausgekramt und wir haben beide gekostet. So stelle ich mir den Geschmack von Holz vor – ohne das ich Holz je probiert hätte. Allerdings habe ich mir das nicht anmerken lassen. Überraschenderweise hat sie mir dann 90% ihrer Vorräte geschenkt.

Endlich habe ich alle Zutaten beisammen!
Endlich habe ich alle Zutaten beisammen!
Was ich hier noch nicht wusste: <br/> Der erste Versuch ging etwas daneben.
Was ich hier noch nicht wusste:
Der erste Versuch ging etwas daneben.

Seit diesem Tag frühstücke ich jeden Tag diesen Brei mit Mangos. Das dauert zwar etwas, aber die Zeit habe ich ja. :) Zudem ist es ziemlich günstig und sicherlich gesünder.

Was hat mich sonst noch überrascht? Linsensuppe wie bei uns gibt es hier auch. Generell wird sehr wenig Fleisch gegessen – vielleicht auch weil es teuer ist.

Gwada ist übrigens Creole für Guadeloupe. Die Beschilderung der Straßen ist manchmal zweisprachig, wobei sich Creole wie die Lautschrift für den französischsprachigen Namen ließt. Darüber hinaus bin ich mit Creole noch nicht in Berührung gekommen, obwohl die Einheimischen zu Hause wohl vorwiegend Creole sprechen sollen.

  1. Hat man mir gesagt. Ich habe ihn bislang noch nicht gekostet.

  2. Der Rum wird hierbei aus extra dafür angebauten Rohstoffen hergestellt. Häufig 50% oder 90% Alkoholanteil. Mehr auf Wikipedia.

  3. Da der Koch sich verletzt hatte, ist für ihn ein Italiener eingesprungen. Es gab Pasta in einer Soße aus Knoblau, etwas Chili und einem Schuss Öl.

  4. Nicht zu verwechseln mit den Gemüse-Bananen, die zuvor gekocht werden müssen! In meinen Augen ist der Unterschied äußerlich nicht festzustellen.