Von Oaxaca Nach Puebla

Straße in Puebla

Nach zwei letzten, phänomenalen Wochen in Mexiko bin ich am 30. Juli wieder sicher in Berlin gelandet. Durch diesen Vorausgriff nehme ich dem Folgenden vielleicht etwas die Spannung. Auf der anderen Seite würde ich andernfalls womöglich auch nicht schreiben. Was war also passiert? Reisen wir (natürlich nur in Gedanken) zurück nach Mexiko – in die Vergangenheit. Anno 2013. Wir schreiben den 17. Juli, morgens.

Oaxaca

In Oaxaca angekommen1, versuchen wir sogleich unser Hostel zu finden, welches im Reiseführer so lobend erwähnt wird. Da es nicht weit sein kann, probieren wir es zunächst selbst. Nach einigen unverständlichen Wegbeschreibungen bin ich meinem Ziel scheinbar kein Stück näher gekommen. Das Gepäck wird immer schwerer. Wir geben auf und winken das nächste Taxi heran. Als der Taxifahrer die richtige Straße erreicht hat und sich nochmals nach Name oder Hausnummer erkundigt, verwechseln wir konsequent den Namen und der Taxifahrer fährt – wenig begeistert – weiter. Unterwegs fällt uns unser Fehler auf. Wir wollen den Taxifahrer aber nicht wieder zurückschicken, sondern akzeptieren unser Schicksal. Wenig später erreichen wir unser Ziel.

Das Hostel zählt mit über 90 Betten zu den Größeren. Freudige Überraschung: Man versteht und spricht hier Englisch. Zudem ist der Preis günstiger als im Reiseführer und auf der Preistafel vor Ort ausgewiesen ist. Ganz klar: Das muss unser Charme sein! Wir verbringen die erste Nacht alleine im 9-Betten-Zimmer.

Die Stadt ist Landeshauptstadt der gleichnamigen Region und bekannt für ihre exquisite Küche. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten – die Ausführungen unseres Magens überzeugen jedoch. Wir belassen es bei konservativer Kost und probieren nur auf explizite Einladung – man will schließlich nicht unhöflich sein – z.B. verschiedenste frittierte, knusprige Insekten (würzig, süß).

Festival la Guelaguetza

Oaxaca kann dennoch überzeugen. Die Stadt ist sehr schön und, zumindest in diesen Wochen, sehr lebendig. In der Universitätsstadt gibt es viele, junge Leute. Vor dem Rathaus am zentralen Stadt-Park wird demonstriert. Am selben Tag laufen im Rahmen des alljährlichen, traditionellen Folklore-Tanz-Festivals Guelaguetza bunt gekleidete Tänzerinnen in Gruppen durch die Stadt. Sie werden jeweils von Blaskapellen begleitet (sowohl musikalisch als auch wortwörtlich).

Am nächsten Morgen werden wir von Neuankömmlingen geweckt. Wir kommen mit zwei jungen Mexikanern ins Gespräch und beschließen gemeinsam die antike Stätte Monte Albán zu besuchen.

Antike Stätte Monte Albán

Zurück in Oaxaca angekommen gehen wir gemeinsam in einer einfachen Kantine essen. Ich entscheide mich für die Spinatnudeln und werde erstmals von der deftigen Schärfe Mexikanischen Essens überrascht – sah doch so harmlos aus!

Am nächsten Tag kommen wir erst dazu im Reiseführer ein wenig über Oaxaca zu lesen. Die Stadt sei dafür bekannt, dass hier viel demonstriert wurden. Fast täglich fänden Demos vor dem Rathaus statt. Das kann ich bestätigen! Außerdem findet einmal jährlich ein in ganz Mexiko berühmtes Folklore-Festival statt. Das haben wir ja auch schon entdeckt.

Leider läuft uns die Zeit davon und wir müssen ohne die weiteren Festival-Aktivitäten gesehen zu haben weiter reisen. Mit dem Premium-Bus geht es deshalb weiter nach Puebla.

Puebla

Der zentrale Busbahnhof liegt leider weit ab vom Zentrum. Die Fahrt zog sich länger hin als geplant, so dass es inzwischen schon dunkel ist. Im Busbahnhof hat lediglich ein Schalter geöffnet, bei dem sich Taxis buchen lassen. Da es keine andere Möglichkeit zu geben scheint in die Innenstadt Pueblas zu gelangen, bleibt uns nichts anderes übrig als uns dort hinten anzustellen. Der Preis ist klar geregelt – es gibt ein Zonen-System. Wir zeigen brav unseren Pass, bezahlen und bekommen im Gegenzug ein Ticket mit der exakten Nummer des Taxis. Die Zentrale kennt alle Details. Sicherheit geht hier vor.

Meinem Taxifahrer können wir in gebrochenem Spanisch und mit Händen und Füßen gerade so vermitteln, dass wir ins Zentrum zu einer Jugendherberge oder einem günstigem Hotel wollen. Wir würden die Jugendherberge bevorzugen, allerdings scheint das dem Taxi-Fahrer kein Begriff zu sein. Nachdem wir vor 3 Hotels vorgefahren sind, die stets ausgebucht waren, verliert der Taxi-Fahrer die Geduld. Es gebe eben keine freien Betten mehr. Im Hotel erklärt man mir, dass über das Wochenende die Weltmeisterschaft in Teakwondo stattfindet2. Alle Betten sein ausgebucht. Inzwischen ist es nach 22 Uhr. Der Taxi-Fahrer fährt uns gegen einen gehörigen Aufpreis zurück in die Peripherie von Puebla zu einem Hotel nahe der Autobahn. Davon weiß die Taxi-Zentrale natürlich nichts. Auf dem Weg durch das nächtliche Puebla fahren wir durch endlose kleine, verlassene Straßen. Im Zwielicht erscheint uns Puebla gefährlich und hässlich. Wir erreichen schließlich das sich noch im Aufbau befindliche Hotel. Diese Nacht sollte für uns die teuerste und kälteste in Mexiko werden.

Am nächsten Morgen überlegen wir länger, ob es nicht günstiger wäre direkt nach Mexiko-Stadt weiterzureisen. So schnell wollen wir dann aber doch nicht aufgeben.

Kathedrale in Puebla. Mehr Bilder

Nach einer erneuten Taxi-Fahrt ins Zentrum Pueblas finden wir überraschenderweise doch noch zwei Jugendherbergen, die auch in der vergangenen Nacht nicht ausgebucht gewesen sein sollen. Beim Erkunden des Stadtzentrum stellt sich heraus, dass sich das Örtchen mit 1,5 Millionen Einwohnern doch sehen lassen kann. So gehört die Altstadt auch schon seit 1987 zum UNESCO Weltkulturerbe. Noch am Abend soll im Stadttheater eine mexikanische Beatle-Coverband spielen. Wir besorgen uns Tickets und besichtigen bis zum Abend noch eine gewaltige Kathedrale, wie sie so typisch für Mexiko ist, und einige Märkte. Im Park zeigen noch einige Tekwondo-Kämpfer, die wohl den letzten Bus verpasst haben (oder in Puebla wohnen/Urlaub machen), was sie drauf haben.

Am nächsten Tag unternehmen wir zusammen mit einigen anderen Herbergsgästen einen Ausflug ins nahe gelegene Cholula, welches bekannt für seine vielen Kirchen ist. Tatsächlich scheint an jeder Ecke ein Gotteshaus zu stehen.

Am Abend können wir uns nicht wirklich dazu entschließen mit den anderen Reisenden wieder ins Stadttheater zu gehen. Die Ausführung zur Aufführung des Einlasspersonals auf Spanisch vermag uns nicht zu überzeugen. Freundlicherweise werden wir schließlich ganz unbürokratisch eingeladen. Studentische Musik-Gruppen aus vielen verschiedenen Regionen spielen und tanzen zu landestypischer Musik. Puebla war ganz klar seinen Besuch wert. Am dritten Morgen fahren wir weiter in die 130 Kilometer entfernte Hauptstadt „Ciudad de México“ (Mexiko-Stadt).

  1. Ausgangspunkt ist hier mein letzter Blogbeitrag zu Chiapas.

  2. Tatsächlich: http://www.tkdmundialpuebla.com